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1.    Guteschafwolle                                         von Kathrin Wagener
2.    Guteschafwolle und Archäologie                 von Andrea Funke
3.    Geschichte und Methoden der Gerberei       von Jan Beckebrede
4.    Anleitung für die Gerbung von Schaffellen   von Jan Beckebrede
5.    Anleitung zu Filzen eines Teppichs              von Kathrin Wagener

Guteschafwolle ist sehr gut zum Filzen geeignet. Durch ihre grobe Struktur lässt sie sich zu sehr stabilem und dennoch weichem Filz verarbeiten. Die Farbenvielfalt dieser Rasse lädt zu Spielereien ein. Das Fell vom lebendigen Tier!, zur Jacke oder Teppich verarbeitet, bereichert es uns mit seiner Wärme, Unempfindlichkeit und glänzenden Schönheit das ganze Jahr hindurch. Als Rohwolle verarbeitet, bleibt das natürliche Fett im Filz erhalten, was ihm zusätzlich große Heilkraft verleiht. Die Wolle lässt sich zu beliebigen Objekten filzen, so dass man sich auch im Haus an den Tieren erfreuen kann.

GuteWolle – Experimente im Archäologischen Zentrum Hitzacker   


Schaf und Hund sind die ältesten Haustiere. Seit 10 bis 12.000 Jahren leben sie in der Obhut der Menschen. Angepasst an die unterschiedlichsten Umwelt- und Haltungsbedingungen bildeten sich an diese Bedingungen optimal angepasste Haustiere heraus.
Als das Schaf zum Haustier wurde, hatte es noch keine Wolle, sondern Haare. Das grobe Deckhaar ließ das Regenwasser ablaufen und hielt das Schaf trocken. Das untere Wollhaar war fein und gekräuselt, um Luft einschließen und das Schaf warm halten zu können. Im Frühjahr wurde das Fell gewechselt. Unsere Vorfahren mussten also ihre Schafe nicht scheren. Im Laufe der Zeiten veränderte sich das Kleid der Schafe immer mehr. Deckhaar und Wollhaar näherten sich in ihrer Struktur immer mehr an. Der Fellwechsel unterblieb, was bedeutete, dass die Wolle immer weiter wuchs und geschoren werden musste. Als die ersten Schafe weiße Wolle bekamen, wurde es erst möglich, zu färben.
Bis heute hat eine Schafrasse aus der Zeit, als das Wünschen noch half, überlebt: Die Guteschafe!
Als die Guteschafe noch vergessen waren, dachten die Archäologen, die nur moderne Schafe kannten, die Menschen in früheren Zeiten haben zu ihrer Wolle die Haare der erlegten Tiere gemischt, um einen stabileren Faden zu erzeugen. Als dann die experimentelle Archäologie Einzug in die Wissenschaft hielt, stellte man fest, dass der Faden dadurch eher an Festigkeit verlor. Wozu sollten also die Menschen damals den Arbeitsaufwand betrieben haben, die Haare der erlegten Tiere abzuschneiden und unter die Wolle zu mischen? Als man schließlich anfing interdisziplinär über den Tellerrand zu blicken, stellte man fest, dass Schafe einmal anders aussahen und keine feine weiße Wolle hatten. Sie sahen aus wie Guteschafe!
Da die Autorin dieses Beitrags nicht nur Guteschafe hält, sondern auch Mitarbeiterin im Archäologischen Zentrum Hitzacker (Bronzezeit) ist, liegt es nahe Guteschafe und Experimentelle Archäologie zu verbinden.
Guteschafe verlieren ihre Wolle unterschiedlich. Es gibt Typen, die verlieren ihre Wolle über nacht auf einmal und sind morgens sozusagen nackt. Da kann ich die Wolle einsammeln. Dabei geht viel verloren und wird unbrauchbar. Andere sehen plötzlich aus wie Wolkenschafe. Die alte Wolle hat sich gelöst und wird nur noch vom Deckhaar gehalten. Diese Tiere werden gefangen und die Wolle einfach und praktisch ausgezupft. Wieder andere schieben die neue Wolle in die alte. Dabei kommt es zu einer Verfilzung. Die alte Wolle bleibt mindestens zum Teil in der neuen Wolle hängen, löst sich auch später nicht. Diese Tiere müssen geschoren werden. Die von mir bevorzugten Tiere in Bezug auf die Wollernte sind die „Wolkenschafe“. Ihre Wolle eignet sich gut für „bronzezeitliches“ Handspinnen mit Spindeln jeder Art, gibt also einen stabilen Faden. Gewebe daraus werden beim Walken fest und stabil. Allerdings scheint es so zu sein, dass sich „Wolkenschafwolle“ viel schlechter zum Filzen eignet, als rechtzeitig geschorene Wolle (zu spät geschorene Wolle ist gar nicht zu verwenden). Rechtzeitig geschorene Wolle der Guteschafe lässt sich ohne die heute allgegenwärtigen Hilfsmittel (die es in der Bronzezeit z.T. noch gar nicht gab) wie Seife, Model, Karden etc. aus den Rohzustand heraus zu Hüten verarbeiten, regelrecht modellieren. Tatsächlich ist sie da anderen Wollen, mit denen ich auch arbeite, weit voraus. Allerdings ist für die Wollernte ein Schere nötig, denn mit Messern kann niemand ein lebendiges Schaf mit loser Haut scheren. Scheren gab es in der Bronzezeit noch nicht. Schafe konnten in der Bronzezeit also auch noch nicht geschoren werden. Interessanterweise sind alle als bronzezeitliche Filzhüte deklarierten Stücke, die ich bisher recherchiert habe gewalkte Gewebe. „Echter“ Filz ist jünger. Der Zusammenhang zwischen Arbeitsgeschichte Wollverarbeitung und Entwicklungsgeschichte Schaf wird deutlich und wie ich finde immer spannender.

Falls jemand weiß, wo die Behauptung her kommt, Guteschafe würden bis zurück in die Eisenzeit verfolgt werden können, sage mir bitte bescheid. Wer hat wann und wo welche Ausgrabungen und Analysen zum Thema gemacht (und veröffentlicht)?

Autor: Andrea Funke (siehe auch Züchtereintrag)

                                 
Geschichte und Methoden der Gerberei

Schon die Urvölker nutzten die Felle der von ihnen erlegten Tiere für Kleidung oder Decken. Dazu mußten die Tierhäute, die in rohem Zustand ein gefundenes Fressen für Bakterien sind und dann rasch zu stinken und zu faulen beginnen, erst haltbar und geschmeidig gemacht werden. Hierfür nutzte man das körpereigene Fett oder auch das Hirn der Tiere, welches in die Haut gerieben wurde. Der Rauch der Lagerfeuer in den Zelten und Höhlen wirkte ebenfalls konservierend und machte die Häute wasserfest. Diese sogenannte Fettgerbung blieb lange Zeit die verbreitetste Gerbmethode, doch entdeckten die frühen Hochkulturen des Orients bald, daß man auch mit pflanzlichen oder mineralischen Stoffen gerben kann. Mit Alaunsalz gegerbte Leder sind bereits im alten Ägypten belegt. Das älteste überlieferte Gerbrezept befindet sich auf einer babylonischen Steintafel aus der Zeit um 720 v. Chr. Die Griechen und Römer lernten diese Verfahren von den orientalischen Völkern kennen und brachten sie nach Europa. Nahezu unverändert übernahmen die Menschen des Mittelalters diese Methoden, so daß in den neu entstehenden Städten die Gerber mit zu den ersten Handwerkern gehörten. Die erste schriftliche Quelle des Mittelalters über die Gerberei stellt der Klosterplan von St. Gallen aus dem Jahre 830 dar. Seit dem 10. Jh. waren die Gerber wie andere Handwerker auch in Zünften zusammengeschlossen. Alaungegerbtes Leder wird in den Zunftstatuten der Londoner Corduanledermacher im Jahr 1272  erwähnt.

Gerbmethoden

Zwar galten die Gerber als wichtiger Wirtschaftsfaktor in den Städten, doch ließ ihre Beliebtheit bei den übrigen Bürgern stark zu wünschen übrig. Dafür gab es mehrere Gründe: Zum einen erhielten sie ihr Rohmaterial, die frischen Häute, von den Abdeckern, die zu den geächteten Berufszweigen gehörten, mit denen ehrbare Handwerker nichts zu tun haben sollten. Zum anderen stank es bei ihnen erbärmlich. Das Material, das die Abdecker von den Schlachthöfen mitbrachten, war nicht immer frisch und wurde dann meist noch auf dem Gerbereigelände zwischengelagert. Außerdem nehmen sehr schwere Häute wie beispielsweise Rinderhäute den Gerbstoff nicht so ohne weiteres auf. Hierfür muß die Haut erst aufgeweicht werden, damit sich die Poren weiten und das Gerbmittel besser eindringen kann. Dazu wurden die Häute mit Hundekot und Taubendreck, manchmal sogar mit menschlichen Exkrementen behandelt. Nach diesem sogenannten Hautaufschluß hängte man die Häute zum Ausspülen in die an der Gerberei entlang fließenden Gewässer, wobei der Gerber aufpassen mußte, daß ihm „nicht die Felle wegschwammen“. Alles in allem also nicht gerade Dinge, die einen Nachbarn glücklich machen. Sollte aus den so behandelten Häuten Leder entstehen, mußten nun die Haare von der Haut gelöst werden. Das gelang durch Einreiben der Fellseite mit einem Holzaschebrei oder Aufhängen der Haut in einem feuchten, warmen Raum, wo sich durch einen kontrollierten Fäulnisprozeß die Haarwurzeln zersetzen. Das Entfernen der Haare und der Fleisch- und Fettreste geschah dann mit dem Streicheisen, einem gebogenen Messer mit zwei Griffen, über einem dicken, längs halbierten Baumstamm, dem Gerberbaum.

Lohgerbung

War der bearbeitende Gerber ein Lohgerber, so stapelte er die Häute nun in tiefe, mit Eichenbrettern ausgekleidete Gruben, bedeckte sie mit Unmengen zerkleinerter Eichenrinde und füllte die Gruben dann mit Wasser auf. Das Wasser entzieht den Rindenstückchen, der „Lohe“, den Gerbstoff, der dann in die in diesem Zustand „Blößen“ genannten Häute wandert. Der Gerbstoff verbindet sich nun chemisch mit dem Eiweiß zwischen den Fasern der Blöße und verhindert dadurch das Verfaulen der Haut. Während dieses etwa zwei Jahre dauernden Prozesses mußten die Häute öfters von einer Grube in die andere geschichtet werden, da die Lohe nach einigen Wochen ausgelaugt war und erneuert werden mußte. Hierbei wurden die nassen, schweren Rinderhäute mit großen Zangen aus der Grube gezogen und in eine andere geschichtet. Schließlich wurden die durchgegerbten Häute zur Trocknung aus der Gare geholt. Während des Trocknens mussten sie ständig in Bewegung gehalten werden, damit sie nicht bretterhart wurden. Dies geschah bei schweren Häuten in gros- sen, sich drehenden Fässern oder – bei kleineren Häuten - per Hand auf dem Stollbock, einer halbmondförmigen Stahlkante. Die bis zu 10 mm dicken Rindsleder mußten nun noch mit dem Falzeisen auf die benötigte Dicke geschabt werden. Abschließend mußte das so entstandene robuste, dunkelbraune Gebrauchsleder noch zugerichtet werden. Hierbei wurde es in die typische Lederform gebracht und alle harten Ränder weggeschnitten. Nun konnte das fertige Produkt zur weiteren Verarbeitung an Schuhmacher, Sattler, Riemenschneider usf. weiter verkauft werden.

Weißgerbung

Während die Lohgerber, die wegen der rötlich-braunen Farbe ihres Leders auch Rotgerber genannt wurden, mit Pflanzenstoffen, also vegetabil, gerbten, verwendeten die Weißgerber vorwiegend mineralische und tierische Gerbstoffe. Hier ist zunächst einmal die Alaungerbung zu nennen, bei der Alaunsalz, Kochsalz und Wasser in die Haut gewalkt wurden. Dabei zogen sich die vorhandenen Eiweissfasern zusammen, verfestigten und  vernetzten sich und hielten bei Fellen auch die Haare fest. Gleichzeitig wirkte  Alaun konservierend und aufhellend auf das Leder. Diese Technik eignete sich vorwiegend für die Gerbung von Schaf-, Ziegen-, Lamm- und Zickelhäuten und für die Herstellung von Fellen, die sogenannte Pelzgerbung. Eine weitere Methode der Weißgerber, die Glacégerbung, stellte eine Kombination zwischen Alaun- und Fettgerbung dar. Hierbei wurde die Haut mit der Gare, einer Mischung aus Eigelb, Mehl, Öl, Alaun und Wasser behandelt. Diese Gerbung wurde ebenfalls zur Verarbeitung von Lamm- und Zickelfellen eingesetzt und ergibt ein weißes, weiches, sehr griffiges Leder, aus dem die sprichwörtlichen Glacéhandschuhe gefertigt wurden. Die Sämischgerbung mit Dorschtran schließlich bietet sich hauptsächlich für die Gerbung von Hirsch-, Reh- und anderen Wildfellen an. Hierbei entstehen robuste, gelbliche Bekleidungsleder. Die Produkte der Weißgerber wurden vorrangig an Kürschner, Handschuhmacher, Beutler usw. weiter gegeben.

Das Ende der klassischen Gerberei


Um die Mitte des 19. Jahrhunderts vollzog sich dann eine nahezu vollständige Revolution des Handwerkes, als nämlich die gerbende Wirkung des Chromsalzes entdeckt wurde. Da die Chromgerbung recht einfach und schnell zu handhaben ist und ein sehr robustes Leder ergibt, welches die doppelte Reißfestigkeit gegenüber herkömmlich gegerbten Leder hat, waren die Unternehmen, die mit den althergebrachten Methoden arbeiteten, nicht mehr konkurrenzfähig. Zwar wird weiterhin ein kleiner Teil des Leders mit „modernen“ vegetabilen Gerbmitteln wie Mimosa- oder Sumachrinde und Quebrachoholz bearbeitet, doch 80% aller industriell gefertigten Leder sind auch heute noch chromgegerbt. Mittlerweile erleben allerdings die vegetabilen Gerbmethoden eine gewisse Renaissance. Grund hierfür ist eine verstärkte Neigung zu Allergien gegen die Industriegerbstoffe und der Wunsch nach ökologischen Fertigungstechniken. Doch auch bei diesen Techniken sollte Vorsicht geboten sein. Bei der sogenannten „medizinischen Gerbung“, die für die geliebten honiggelben Lammfelle verwendet wird, kommt der Gerbstoff RELUGAN aus dem Hause BASF zur Anwendung, ein mit dem Formaldehyd verwandtes Glutardialdehyd. Die Bezeichnungen „biologische Gerbung“ oder „ökologische Gerbung“ sagen nichts über die verwendeten Gerbstoffe aus und ob die in Afrika in Monokulturen erzeugte Mimosa-Rinde wirklich schadstofffrei ist, sei dahingestellt. Und für die Gewinnung des Quebrachoholzes müssen im südamerikanischen Regenwald 70 Jahre alte Baumriesen gefällt werden.

Autor: Jan Beckebrede

Eine kleine Anleitung für die Gerbung von Schaffellen mit Alaunsalz

von Jan Beckebrede

Zunächst ist zu entscheiden, ob man gleich nach dem Schlachten weiterverarbeiten kann oder nicht. Wenn nicht, muss die Haut zur Aufbewahrung eingesalzen werden. Hierfür ist ca. 1 kg gewöhnliches Kochsalz ausreichend.

Frische Felle, auch Grünhäute genannt, können direkt bearbeitet werden. Eine Salzhaut hingegen muss kräftig durchgespült werden und liegt dann am besten über Nacht in sauberem kalten Wasser, damit die Fasern sich wieder ausdehnen können.

Im ersten Schritt wird die Haut sorgfältig entfleischt. Da wohl nicht jeder wie wir einen Gerberbaum und ein Streicheisen zur Verfügung hat (Foto 1), muss man da wohl ein wenig improvisieren. Es müssen sämtlich Fettreste weg und auch die dünne Fleischschicht, die sich oberhalb der Lederhaut befindet.
                     

Als nächstes wird die Haut auf der Fleischseite mit Alaunsalz und Kochsalz eingerieben. Dazu legen wir die Haut mit der Haarseite nach unten auf einen Tisch. Für eine normalgroße Schafshaut nimmt man etwa 450 g Alaunsalz und 150 g Kochsalz. Das von uns verwendete Verhältnis ist also 3:1. Je höher der Kochsalzanteil, umso weicher, aber auch wasserziehender wird das Leder. Das Salz streuen wir auf die Haut und geben etwas Wasser dazu (Foto 2). Nun wird das Salz mit der Hand in die Haut eingerieben, bis es möglichst gut verteilt ist (Foto 3).

 
Die Haut wird dann von den Flanken her nach innen gelegt, so dass nur Fleisch- auf Fleischseite liegt (Foto 4), dann von hinten nach vorn zusammengerollt und mit einem Band fest umwickelt (Foto 5) und etwa zwei Wochen in einen Bottich mit ein wenig Wasser gelegt (nicht bedeckt!). Nicht trockenfallen lassen und öfters mal drehen, damit die Haut ständig feucht ist. In dieser Zeit geschieht nun die eigentliche Gerbung, d.h. das Salz dringt in die Haut ein und wandelt das Eiweiß in feste Lederfaser um.



Nach zwei Wochen herausnehmen, auswickeln und die Haut vorsichtig durchspülen, nur so, dass das überschüssige Salz von Haut und aus den Haaren rausgespült wird. Das Fell dann abtropfen lassen. Bis zur sog. Stollfeuchte antrocknen lassen, d.h. die Haut ist noch feucht, beim Auseinanderziehen tauchen aber hellere Stellen auf. Nun beginnt der mühsamste Teil. Wenn die Haut nun einfach so trocknen würde, würde sie hart werden. Sie muss während des Trocknens ständig gedehnt und gereckt werden. Also am besten zu Zweit in alle Richtungen auseinanderziehen oder über eine Brettkante ziehen (natürlich mit der Fleischseite nach unten). Wenn man nicht so viel Zeit hat und z.B. nur nach Feierabend ca. 1,5 - 2 Stunden stollt, kann man sie dann zusammenrollen, in eine große Plastiktüte legen und im Kühlschrank aufbewahren, bis man am nächsten Tag weitermachen kann. Das dauert dann so ca. 5 Abende. Selbst wenn die Haut trocken erscheint, nicht gleich aufhören, in der Haut steckt noch eine gewisse Restfeuchte.


 
Wenn die Haut dann trocken ist, muss sie kräftig geschliffen und geschabt werden, damit sie weiß und geschmeidig wird.  Hierfür kann man selbstgefertigte Schabeisen  oder Schleifpapier verwenden. Wenn man mit einem Bandschleifer an die Haut gehen will, muss man sehr aufpassen, damit man sie nicht durchschleift.

Wer möchte, kann nun noch die Haarseite mit einer Handkarde aufbürsten. Wir machen das nicht, da dann die hübsche Löckchenstruktur des Guteschaffells nicht mehr zu sehen ist.

Man sollte sich allerdings keine allzu großen Illusionen machen: Eine Hausgerbung wird nie die gleiche Weiche wie eine Industriegerbung erreichen, da dort die Lederseite mit Spezialmaschinen sehr dünn geschliffen wird. Dafür sind unsere Felle wesentlich robuster.

Und: Eine Alaungerbung ist wohlgemerkt nicht wasserfest, das heißt, wenn das Fell richtig nass wird, trocknet es hart wieder auf, wenn nicht der Stollvorgang wiederholt wird.

Zum Schluss noch ein Tipp: Alaunsalz kann man zwar in der Apotheke oder im Internet kaufen, günstiger ist es jedoch im Fleischereifachbedarf.

Text: Jan Beckebrede



FILZEN  -  die sinnvolle Wollverarbeitung mit Spassfaktor

Von alters her hat das Schaf als Herdentier auch die Menschen miteinander verbunden. Die Schafherde in Gemeinschaft mit der Menschenherde haben sich gegenseitig ernährt, gewärmt und behütet. Wenn der Frühling kommt, die Sonne ihre Bögen immer höher zieht und wärmende Strahlen zur Erde schickt, dann ist auch die Zeit der Lämmer und der Wolle. Ein Neubeginn nach dem langen Winter. Das Futter ist wieder reichlich, die Milch fließt für die Lämmer und die wärmende Wolle wird abgestoßen. Einige Tiere verlieren ihren Pelz von allein, große Fetzen hängen dann in den Bäumen, ein wertvolles Baumaterial auch für die Singvögel, die nun ihre Nester bauen. Das Frühjahr ist die Zeit der Ernte für die Filzer und Spinner. Die Schafe werden gezupft oder geschoren und wir erfreuen uns an den glänzenden Wollbergen. Nun können neuen Teppiche, Puschen, Hüte und Jacken für den kommenden Winter gearbeitet werden.
In den Ursprungsländern des Filzens, z.b. in der Mongolei oder Kirgistan, treffen sich die Dorfbewohner, um gemeinschaftlich einen Teppich herzustellen. Es ist ein Fest, welches zwei bis drei Tage dauert. Alle helfen mit und haben bei der Arbeit auch ihren Spaß.
Aus dem Überfluss an Wolle und dem Gedanken an das gemeinschaftliche Tun habe ich eine Teppichgruppe gegründet mit dem Ziel, wie die Mongolen in lustiger Gesellschaft mit Freude zu arbeiten ohne Anspruch auf Besitz des fertigen Filzes.
Inzwischen sind wir fünf Menschen, die alle Guteschafe besitzen. Wir treffen uns 2-3mal im Jahr für ein Wochenende und stellen gemeinsam für Einen von uns einen großen Filzteppich her. Der Eigentümer wird vorab durch ein Losverfahren bestimmt. So kann der neu zu erschaffende Teppich in Ruhe entworfen werden.

In meiner großen Bauerndiele sind wir vor Wind und Wetter geschützt. Hier wird nun die Wolle vorbereitet, d.h. von grobem Schmutz befreit, aufgelockert und nach Färbung sortiert. Sechs bis acht Kilo Rohwolle können in einem Teppich von 2m x 1.50m Endmaß verarbeitet werden. Die Schrumpfung beträgt zwischen 20 und 30%, deshalb wird die Wolle auf ca. 3m x 2m ausgelegt.


Wir legen mindestens 4 Schichten Wollflocken auf eine große Unterlage. Im Anschluss an das Auslegen wird die Fläche mit heißem Seifenwasser besprengt.  Die Rohwolle mit dem Schweiß, Fett und Urin der Schafe produziert später die perfekte Lauge für einen guten Filzprozess, wir helfen mit etwas Kernseife noch nach.


Nun wird die angefeuchtete Wolle auf einem Holzkern stramm eingerollt und fest verschnürt. Dieses Paket rollen wir anschließend mit sanften Fußtritten in der Diele auf und ab. Bei schöner Musik ist dies eine wunderbar rythmische Tätigkeit.

 
Nach einer halben Stunde wird die Rolle geöffnet, die sich verfilzende Wolle bei Bedarf noch etwas korrigiert und nach Zugabe von heißem Seifenwasser wieder eingerollt. Wieder wird getreten. Bei diesem Prozess des Walkens schieben sich die Wollfasern ineinander, so dass nach 2 Stunden schon eine feste Matte entstanden ist, die auch schon angehoben und umgedreht werden kann.
Mit Pausen und einem guten Essen walken wir unseren Teppich bis zum frühen Abend. Am nächsten Morgen wird er wieder frisch mit heißer Seifenlauge besprengt, kraftvoll geworfen und nochmals von allen Seiten gewalkt.
Wenn der Filz sich nicht mehr dehnen lässt und steif geworden ist, ist auch meist das berechnete Schrumpfungsmaß erreicht. Nun ist er fertig, klein und fest...
Wir spülen das gute Stück in Regenwasser mit etwas Essig bis das Spülwasser klar ist. Nach dem Trocknen wird der Teppich glatt gebügelt und kann nun bewohnt werden.


Wer seine Wolle gern zu einem Teppich verfilzen möchte, darf mich gern anrufen zwecks Erfahrungsaustausch, Anleitung, guter Ratschläge...

Kathrin Wagener - die Filzerei Filztutgut 04302-900770
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